Es gibt offensichtlich so unterschiedlich viele Arten der Prüfungsvorbereitung wie es StudentInnen gibt. Illustriert ist das in der Februar-Ausgabe der UNI:PRESS durch einige konkrete Antworten im Original, wobei angesichts der psychologischen Lerngesetzmäßigkeiten einige Methoden eher nicht für nachhaltiges Lernen geeignet sind, wie sich in den folgenden Lerntipps zeigen wird:
- Claudia: „Ich besuche zwar regelmäßig die Lehrveranstaltungen, aber ein konstantes Mitlernen ist für mich schwierig. Ich mache mir aber bei den Vorlesungen meine Notizen, die mir das Lernen erleichtern. Mir hilft es auch wenn ich mich bei den Lehrveranstaltungen mit meinen Kommilitonen austauschen kann.“ Bianca aus Oberösterreich: „Ich bin neben dem Studium berufstätig und so muss ich mir die Zeit zum Lernen sehr gut einteilen. Es fällt mir auch nicht schwer im Zug, im Bus oder auch in der Bibliothek zu lernen. Ich kann mich überall gut konzentrieren und kann so vor allem Wartezeiten sehr gut zum lernen nutzen.“
- Miriam: „Durch meine eigenen Zusammenfassungen kann ich den Stoff besser verarbeiten. Beim schreiben selbst lerne ich schon mit. Vor allem bei Texten, die wir selbst durchgehen sollen und in den Vorlesungen nicht besprochen werden, schreibe ich eigene Zusammenfassungen. So brauche ich kurz vor der Prüfung nicht noch mal den ganzen Text durchzugehen, sondern kann schnell meine Zusammenfassung durchlesen. Was ich selbst geschrieben habe kann ich auch besser lernen.“
- Andreas: „Ich bin nicht sehr fleißig, wenn es darum geht bei den Lehrveranstaltungen anwesend zu sein. Aber dafür habe ich ja meine Mitstudentinnen, die sind alle sehr fleißig und geben mir auch gern ihre Mitschriften zum kopieren. Auch im Internet finde ich oft sehr brauchbare Zusammenfassungen, die ich mir vor den Prüfungen reinziehe. Ich fange meistens erst kurz vor den Klausuren mit dem Lernen an, denn erst wenn ich unter Zeitdruck gerate fällt mir das Lernen leicht. Alles was ich im Kurzzeitgedächtnis habe, kann ich mir am besten merken.“
- Bianca: „Am besten lerne ich am Vormittag aber auch nachmittags. Abends fällt mir das lernen schwerer. Ich kann mich am Abend nicht mehr so gut konzentrieren. Deshalb versuche ich mir den Lernstoff in mehrere Abschnitte einzuteilen. Kurz vor den Prüfungen ist der Druck, der auf mir lastet sehr enorm, denn ich gehöre auch zu denjenigen, die sehr spät mit dem Lernen anfangen.“
- Barbara und Martina: „Wir treffen uns regelmäßig zum Lernen und fragen uns gegenseitig ab. So fällt uns das Lernen leichter. Wir motivieren uns gegenseitig und tauschen uns regelmäßig aus. Wir können uns dadurch gegenseitig helfen und Unklarheiten klären. War mal eine von uns faul und hat nicht gelernt so wird sie von der anderen angespornt sich auf das nächste Treffen wieder besser vorzubereiten.“
Wann soll man beginnen, sich vorzubereiten?
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Eine Klausurvorbereitung fängt genau genommen schon mit der ersten Vorlesung an. Man ist verlockt, zuhause die frisch beschriebenen Seiten aus dem Collegeblock zu reißen und abzuheften. Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost ins Regal stellen. Noch bequemer ist es, wenn man ein Skript zur Vorlesung besitzt. Dann geht man oft gar nicht mehr in die Vorlesung, sei es, weil einem der Vortragsstil des Dozenten nicht gefällt oder man den Stoff ja auch zuhause nachlesen kann. Aber machst Du es auch? Und wenn ja: Weißt Du, wo der Dozent in der Vorlesung die Schwerpunkte gesetzt oder noch Ergänzungen und Änderungen vorgenommen hat?
Naja, sagst Du. Ist doch alles nicht so schlimm. Die Konvertierung von Zahlensystemen, die wir gerade in Digitaler Logik machen, ist doch wirklich ein Kinderspiel. Und mit Gattern hab ich schon in meinem Elektronik-Baukasten gespielt. Stimmt. Aber irgendwann ist dann plötzlich von asynchronen und synchronen Schaltwerken die Rede. "Hoppla, hab ich ja noch nie gehört", denkst Du beim Durchlesen der Übungsaufgaben. Und während Du noch beim Nacharbeiten der verschiedenen Flip-Flop-Typen bist, steht plötzlich die Klausur vor der Tür und die letzte Aufgabe über Moore-Automaten kannst Du nicht mal bearbeiten, von den Endomorphismen und Eigenvektoren komplexer Matrizen in Mathe I ganz zu schweigen.
Wer immer die Übungen bearbeitet, dem passiert so etwas nicht so leicht. Insbesondere dort, wo Abgabepflicht besteht, wirst Du gezwungen mitzuarbeiten. In letzter Zeit haben sich aber - unter freundlicher und penetranter Ermunterung durch den Fachschaftsrat - einige Dozenten dazu durchringen können, auf die Zulassungsbeschränkungen zur Klausur zu verzichten. Hier ist Deine Eigeninitiative dann umso wichtiger. Auch hier solltest Du immer alle Übungsaufgaben bearbeiten. Übungen sind die beste Vorbereitung auf eine Klausur.
Auch mental sollte man sich vorbereiten: In einer aktuellen Studie wurden 50 Studenten untersucht, die in Prüfungsvorbereitungen steckten und unterwies ein Teil der Studenten in Meditationsübungen (zweimal täglich 20 Minuten). Studenten, die das über zehn Wochen anwendeten, waren anschließend widerstandsfähiger in Stresssituationen und konnten sich rascher auf ihre Aufgaben konzentrieren und es klangen die Stressreaktionen in ihrem Körper schneller wieder ab als bei anderen Studenten.
Zeitplanung einer Prüfung - Beispiel
- Aufbereitung (1/3 der Zeit)
- Themen inhaltlich abwechseln
- verschiedene Quellen zusammenführen
- Lernstoff in sinnvolle Zusammenhänge bringen
- Einprägen (1/5 der Zeit)
- keinen neuen Stoff mehr hinzufügen
- Wiederholen, Einordnen, Wissenskontrolle
- Prüfungsfragen zusammenstellen
- Probeprüfungen durchführen und auswerten
- aus Fehlern lernen
- Wiederholen (1/10 der Zeit)
- nur noch mit den Aufzeichnungen arbeiten
- Hauptziel: Überblick
- Probeprüfungen über den Stoff kompletter Prüfungsfächer
- Ruhetag(e) vor der Prüfung einhalten
- Pausen (1/5 der Zeit)
- dienen der Erholung und Belohnung
- dienen dazu, dass sich der Lernstoff "setzt"
- Zeitreserve
- für Unvorhergesehenes, damit der Prüfungsplan funktioniert
- grössere Reserve unmittelbar vor der Prüfung
Worauf kommt es bei Prüfungen an?
In einigen Fächern, zum Beispiel Digitale Logik, kommt es in der Klausur auch sehr darauf an, Verfahren oder Algorithmen schnell und genau anwenden zu können. Hier hilft es gar nix, die Regeln stur auswendigzulernen, Du mußt vielmehr die Verfahren abarbeiten können, ohne viel nachzudenken. Auch das kannst Du nur durch häufiges Üben lernen, wozu sich neben den Übungen, die den Vorteil haben, korrigiert zu werden, auch alte Klausuren gut eignen.
Besonders in der theoretischen Informatik und der Mathematik hat die Abgabe der Übungen noch einen weiteren wichtigen Effekt: Da hier viel Wert auf Formalismen gelegt wird, bekommt man für vermeintliche Kleinigkeiten leicht den ein oder anderen Punkt abgezogen. Die Übung ist die einzige Möglichkeit, den eigenen Lösungsstil einmal auszuprobieren. Der Hiwi wird einem dann zeigen, wo man Änderungen vornehmen muß. Wenn man in der Klausur fünfmal einen Punkt wegen formaler Fehler abgezogen bekommen hat und zum Bestehen noch zwei Punkte fehlen, ärgert man sich. Vergiß nicht, die Definitionen und Sätze auswendig zu lernen. Das ist zwar lästig, aber damit kannst Du Dir leicht Punkte sichern.
Wie man erkennen kann sind Prüfungsvorbereitungen unterschiedlich, abhängig vom Individuum und fokussiert darauf, dass man sich den Lernstoff nachhaltig einprägen kann. Und dabei ist es ganz gleich ob man ein Fernstudium macht oder jeden Tag, an der Uni anwesend sein muss. Grundlegend für alle Prüfungsvorbereitungen ist das Zeitmanagement. Um sich effektiv vorbereiten zu können muss man chronologisch vorgehen und vor allem dann mit den Vorbereitungen beginnen können, sofern man in der richtigen Verfassung ist.
Das Timing ist auch hier ganz entscheidend: Ist alles sofort nutzbar da eine Ordnung bestehend ist, kann man leichter mit den Vorbereitungen beginnen. Aber auch in einer solch scheinbar einfachen Situation muss man einen wichtigen Faktor berücksichtigen – das Workflow Management. Der Workflow ist eine Phase, in welcher man besonders produktiv und vor allem effektiv arbeitet. Dementsprechend darf man diese Tagesphasen nicht mit unwichtigen Dingen verplanen. Man sollte sich selber testen und die eigenen Uhrzeiten für Workflow herausfinden, da diese von Person zu Person unterschiedlich sind. Kann man die Zeiten bestimmen, sollte man diese ausschließlich zur Vorbereitung für Prüfungen verplanen.
Innere Einstellungen vor einer Prüfung
- "Eine Prüfung ist eine reale Herausforderung!" Es ist normal, dass Sie angespannt und etwas nervös werden. Die angemessene Angst vor der Prüfung aktiviert den Geist. Schätzen Sie diese Unterstützung und nutzen Sie sie klug aus.
- "Gedanken steuern Gefühle!" Bemühen Sie sich also, Ihre Gedanken über die Prüfung möglichst realistisch und positiv zu gestalten. Brechen Sie schwarzmalerische innere Monologe entschieden mit dem Befehl STOPP ab! Dies fällt Ihnen leichter, wenn Sie unmittelbar danach an eine angenehme Situation oder Aktivität denken.
- "Planen Sie Ihre Prüfungsvorbereitungen rechtzeitig!" Durch seriöse und fundierte Vorbereitungsarbeit gewinnen Sie Sicherheit. Machen Sie sich Gedanken über Ihre Stärken und Schwächen, Lernstrategien, Zeitplan. Bei Unsicherheit kann auch eine Lernberatung helfen.
- "Überprüfen Sie Ihre Motivation!" Was ist der Nutzen der Prüfung? Was werden Sie konkret gewinnen? Nehmen Sie in Gedanken den Erfolg vorweg und stellen sich vor, wie Sie die Früchte der bestandenen Prüfung geniessen. Malen Sie sich möglichst konkrete, farbige Bilder aus. So entstehen nach und nach positive Gefühle über die bevorstehende Prüfung: Zuversicht, Mut, Entschiedenheit.
- "Verschaffen Sie sich Klarheit!" Ungewissheit über Anforderungen, Ablauf der Prüfung etc. verstärkt bei vielen Menschen die Angst. Vertrautheit mit der Situation andererseits wirkt beruhigend. Suchen Sie deshalb frühzeitig den Ort der Prüfung auf, sprechen Sie mit PrüferInnen, klären Sie ab, ob Parkplätze zur Verfü-gung stehen oder berechnen Sie die genaue Zugreisezeit. Am Prüfungstag selbst muss alles klar sein - unnötiger Stress stresst unnötig.
- "Nutzen Sie Erfahrungen!" Sprechen Sie mit Leuten, die die Prüfung bereits vor einiger Zeit abgelegt haben, und befragen Sie diese über inhaltliche Prüfungsanforderungen. Lösen Sie wenn möglich Prüfungsaufgaben aus den Vorjahren. Teilen Sie Ihre Befürchtungen mit, stellen Sie Fragen.
- "Bleiben Sie in der Konzentration!" Kommen Sie am Prüfungstag frühestens 10 Minuten vor Prüfungsbeginn zum Prüfungsraum (warten macht nervös!). Diskutieren Sie nicht mehr mit Mitprüflingen, sondern stellen Sie sich abseits und konzentrieren sich ruhig auf sich selbst. Rufen Sie sich ins Bewusstsein, dass Sie sich gründlich vorbereitet haben - und freuen Sie sich auf die Gelegenheit, Ihr Wissen zu zeigen!
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