Inhaltsverzeichnis dieses Lerntipps
Keine Konzentration?
Warum man seine Freundin nicht anschauen sollte!
Was kann man tun?
Wege zur Steigerung der Konzentration
Übungen
zur Steigerung der Konzentration
Noch ein paar Übungen
Lehrveranstaltungen
Praktische Übungen für die Lehre

Warum kann man sich nicht immer konzentrieren?

Den wenigsten StudentInnen gelingt es, z. B. einer Vorlesung voll konzentriert von Anfang bis Ende zuzuhören. Das ist aber in der Regel auch gar nicht unbedingt nötig. Man sollte vielmehr frühzeitig lernen, seine Konzentration je nach Vorlesungsphase den jeweiligen Erfordernissen anzupassen! In den Phasen, in denen der Vortragende vom Thema abschweift, die Tafel putzt oder zeitraubende Tafelanschriften erstellt, kann man durchaus seine Konzentrationsintensität soweit zurücknehmen, daß sie ausreicht, um bei Wichtigem sofort wieder konzentriert bei der Sache zu sein, ohne den roten Faden zu verlieren. Das kann man üben! Aber auch beim Lernen zu Hause schweift die Aufmerksamkeit immer wieder ab, denn es zeigt sich, dass die Leistungsfähigkeit des Gehirns, insbesondere für das Speichern neuer Inhalte, großen Schwankungen unterworfen ist. Auch wenn wir hellwach und konzentriert arbeiten, treten immer wieder Phasen verminderter Merkfähigkeit auf, die wiederum von Perioden erhöhter Leistungsbereitschaft abgelöst werden. Beginn und Ende dieser Zyklen bleiben uns aber leider verborgen. Wir können sie nicht wahrnehmen, da wir kein Sinnesorgan für sie besitzen und daher das Einsetzen des lernbereiten Zustandes nicht erkennen können.

Welche Vorteile bringt für StudentInnen das Üben und Erlernen einer besseren Konzentration?

Was kann man dagegen tun?

Da die äußeren Ursachen von Konzentrationsstörungen in der Regel recht einfach zu beheben sind, hier nur ein paar Anregungen zur Verbesserung der inneren Konzentrationsfähigkeit:

Hat man die elementare Wichtigkeit von Lernphasen, Konzentrationsphasen und den Einfluss von äußeren Ablenkungen verinnerlicht, kann man sich vielleicht nicht besser konzentrieren; vielmehr kann man seinen Alltag präziser bestimmen. Ein weiteres Konzept, dass die Nutzung von Konzentrationsphasen ergänzen kann, ist ein Ernährungsplan. Anders als fälschlicherweise angenommen, sollte dieser nicht mit Traubenzucker-Einheiten versehen sein, sondern eher mit Nahrungsmitteln, die den Blutzuckerspiegel konstant halten. Traubenzucker hat nur kurzfristig eine Konzentrationssteigerung zur Folge, im Anschluss ist man sogar träger als zuvor. Auch zu viel Nahrung ist eher kontraproduktiv, da auch der überfüllte Magen Müdigkeit und Trägheit provoziert. Die geplanten Pausen, können mit der Nahrungsaufnahme einher gehen. Während man sich beispielsweise mit der Hifi Anlage auditiv stimuliert um sich abzulenken, kann man Obst, Gemüse oder Milchprodukte verzehren. Somit ist es möglich sich abzulenken, zu entspannen und gleichzeitig den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Auch Flüssigkeit sollte über den Tag verteilt ausreichend aufgenommen werden; dies nicht nur während der regelmäßigen Pausen.

Apropos Pausen

Schon seit der Antike bedeutete das Innehalten für Dichter und Denker einen Quell der Inspiration. Müßiggang ist eine wichtige Voraussetzung für geistige Leistungsfähigkeit, denn um die schöpferische Kraft des Denkens vollständig ausschöpfen zu können, braucht man Pausen, denn Kreativität lässt sich nicht herbeiführen, sondern man kann lediglich die Bedingungen schaffen, um die Kreativität zu fördern. Ernst Pöppel (Münchner Institut für Medizinische Psychologie) glaubt, dass es in unserer Gesellschaft einen "Kreativitätsstau" gibt, der explodieren könnte, wenn die Büros in allen Institutionen täglich eine Stunde aus dem Kommunikationszwang aussteigen würden". Kreativität findet vor allem in jenen Momenten der geistigen Ruhe statt, also wenn man nicht im Hamsterrad der Geschäftigkeit sitzt und stur seine Arbeit verrichtet. Wichtig sind die bewusst erlebten Pausen, denn Entschleunigung, Faulheit und Müßiggang sind wesentliche Voraussetzungen für Kreativität. Aus der Sicht der Gehirnforschung ist das Nichtstun nämlich keine Phase neuronaler Inaktivität, sondern es sind in diesem Leerlauf-Modus ähnlich wie im Schlaf manche Gehirnzentren besonders aktiv, um sich gerade Erlerntes oder Erlebtes noch einmal "durch den Kopf" gehen zu lassen (vgl. Briseño, 2010). Pausen sind daher notwendige kreative Phasen, die einen Teil der Studienaktivität bilden sollten. Nun mögen manche einwenden, dass geistige Arbeit nicht nur im stillen Kämmerlein stattfindet, sondern in Seminaren, Vorlesungen, Arbeitsgruppen, Teamarbeit. Wie kann dabei jede/r den eigenen Pausenrhythmus einhalten? Die individuellen Rhythmen der Aufmerksamkeit sind jedoch flexibel genug, um sich auch in Gruppensituationen aufeinander einzuspielen. Wo jedoch Termine, Anforderungen und überhöhte Ansprüche an den eigenen Arbeitsplan keine Zeiten dazwischen zulassen, in denen man immer wieder abschalten, tief Luft holen, Tagträume entwickeln oder sich bewegen können, werden diese vielen kreativen Möglichkeiten vergeudet. Der Lernerfolg hängt untrennbar mit der Zeiteinteilung zusammen, und somit auch mit der richtigen Pausengestaltung. So wie man die Pausen als festen Bestandteil seiner Arbeitsphasen wertschätzt, kann man auch auf die körpereigenen Rhythmen achten und die Konzentration, Kreativität und Gesundheit fördern.

Schauen Sie beim Lernen nicht auf Ihre Freundin!

Britische Forscher haben in einer Studie nachgewiesen, dass die emotionalen Informationen in Gesichtern von anderen die Aufmerksamkeit stören. Bei diesen Untersuchungen lösten die Versuchspersonen mathematische Aufgaben dann besser, wenn sie den Blick vom Fragenden abwendeten. Den Forschern zufolge erhöhte sich so die Fähigkeit der Probanden erheblich, die Aufgaben richtig zu lösen, wenn sie dabei das Gegenüber nicht betrachteten. Die Kombination von geistiger Arbeit und emotionalen Eindrücken versetzte einige Probanden offensichtlich so in Stress, dass sie sogar in Schweiß ausbrachen, wobei Männer dann am stärksten schwitzten, wenn sie in ein weibliches Gesicht blicken sollten. Daher sollten LehrerInnen oder Prüfer ihre Schüler eher dazu auffordern, ihren Blick ins Leere schweifen zu lassen, wenn sie nachdenken sollen, als sie dabei anzusehen.

"Multitasking" mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen?

John Ratey (Harvard University New York) hat das Phänomen "Multitasking" in Studien untersucht: Das menschliche Gehirn mag einerseits das Hinund Herspringen zwischen Informationen, Aufgaben, Themen, andererseits kann es diese Flut an Eindrücken entgegen den Behauptungen von Zeitmanagementtrainern und angeblich erfolgreichen Multitaskern nicht. Menschen sind nämlich eher Monotasker, denn mehr als 100 Prozent Aufmerksamkeit stehen niemandem zur Verfügung. Entweder hören wir einem Gesprächspartner am Telefon nicht richtig zu oder es schleichen sich Fehler bei der gleichzeitig geschriebenen Email ein. Menschen, die sich fortwährend durch immer neue Informationen stimulieren lassen wollen, sind fahrig, nervös, zappelig und immer unkonzentriert. Sie verkürzen ihre Aufmerksamkeitsspanne und haben sehr schnell Verlangen nach neuem Input. Zeiten der Ruhe und Stille können sie kaum noch ertragen. Nur vollautomatisierte Vorgänge wie das Autofahren oder der Konsum von Medien benötigen nicht unsere ganze Konzentration und können aus diesem Grund "nebenher" laufen.

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