Praxis des Mitschreibens

Viele Studenten übernehmen gewohnheitsmäßig diverse Arbeitstechniken aus der Schule, die sich in der Regel aber als denkbar unzweckmäßig für den Einsatz an der Uni und im späteren Beruf erweisen. Daher möchten wir im folgenden einige Ratschläge geben, die natürlich keine Patentrezepte darstellen; vielmehr möchten wir anregen, über Art und Weise des Mitschreibens und Notierens nachzudenken und sich eine persönliche Technik zuzuschneiden. Erfahrungsgemäß dauert es seine Zeit, bis man die teils schlechten Angewohnheiten aus der Schulzeit hinter sich gelassen und eine Sammlung passender Mitschreibtechniken entwickelt hat.

Am Laptop mitschreiben?

Laptops werden heute häufig auch dafür verwendet, um Notizen anzufertigen und abzuspeichern, denn der grosse Vorteil solcher elektronischen Notizen ist, dass man sie gut organisieren kann, sie immer verfügbar sind und sich auch elektronisch durchsuchen lassen. Mueller & Oppenheimer (2014) haben unter verschiedenen Bedingungen die Lernleistungen von Studierenden untersucht, infem sie jeweils verglichen, welche Auswirkungen das Anfertigen von elektronischen Aufzeichnungen im Vergleich zu handschriftlichen Notizen hat. In einer Studie sollten sich die Teilnehmer fünf unterschiedliche Lernvideos anschauen, bekamen dabei je nach Versuchsbedingung einen Laptop oder einen Notizblock mit Stift zu Verfügung gestellt und wurden aufgefordert, dieses Hilfsmaterial so zu benutzen, wie sie es sonst auch in einer Vorlesung tun würden. Nach eine zeitlichen Abstand wurden die Inhalte der Lernvideos abgefragt, wobei sich zeigte, dass wenn Faktenwissen abgefragt wurde, sich die Lernleistung zwischen Laptopbenutzern und Notizblockbenutzern nicht wesentlichunterschied. Wenn es jedoch um Konzeptwissen ging, schnitten die Notizblockbenutzer deutlich besser ab. Zwar waren die elektronischen Inhalte etwa doppelt so umfangreich wie die handschriftlichen Notizen, entsprachen aber auch häufiger wortwörtlich den Texten aus den Lernvideos. Die Notizblockbenutzer notierten weniger Inhalte, taten das aber eher mit eigenen Worten, was auf eine tiefere Verarbeitung des Inhalts schließen lässt. Auch wenn man die Laptopbenutzer ausdrücklich darauf hinweist, keine wortwörtlichen Notizen zu machen, sondern die Inhalte in eigenen Worten in den Laptop zu tippen zeigte sich wieder eine stärkere wortwörtliche Überlappung der Notizen mit dem Text der Lernvideos. Es scheint also in einer realen Lernsituation am Laptop sehr schwierig zu sein, der Versuchung zu widerstehen, sich wortwörtliche Notizen zu machen. Bei einer Überprüfung nach einer Woche zeigte sich ebenfalls kein Unterschied im Faktenwissen aber ein Nachteil für die Laptopbenutzer im Konzeptwissen. Man vermutet, dass die elektronischen Aufzeichnungen das Lernen eher behindern als fördern, denn die langsamere Schreibgeschwindigkeit mit der Hand hat die Lernenden dazu gezwungen, sich auf die wesentlichen Inhalte und deren Verknüpfungen zu konzentrieren und diese schon beim Schreiben vorzuverarbeiten, was ein besseres konzeptuelles Wissen nach sich zieht.
Anmerkung: Zusammengefasst nach Martin Tomasik (Universität Zürich), 3 : 0 – Stift siegt gegen Tastatur. Neues aus der Forschung: Psychologisches Institut – Entwicklungspsychologie: Erwachsenenalter.

Literatur

Mueller, P. A., & Oppenheimer, D. M. (2014). The pen is mightier than the keyboard: Advantages of longhand over laptop note taking. Psychological Science, 25, 1159-1168.

Vom Umgang mit Mitschriften

Von entscheidender Bedeutung ist, daß die Notizen (und dazugehörende Skizzen, die als visuelle Gedächtnisstützen dienen) gut lesbar sind. Sind sie bei der Vorbereitung auf eine Prüfung noch zu entziffern? Auch ein logisch aufgebautes Ablagesystem ist wichtig, damit man die entsprechenden Notizen schnell auffinden sowie im Verlauf der Arbeit mit Querverweisen versehen, überprüfen und eventuell einordnen kann. Wenn man nicht schon von Natur aus ein ordentlicher Mensch ist, mag das sorgfältige Sortieren der Notizen Anfangs zur Qual werden. Dafür erleichtert es aber spätere Nachforschungen ganz erheblich und vermittelt zudem das Gefühl, die Arbeit fest im Griff zu haben. Auch der Allgemeinzustand der Unterlagen ist nicht ganz unwichtig, denn zerknitterte Notizzettel mit Kaffeeflecken und gedankenlos hingekritzelten Strichmännchen wirken bei späterer Benutzung nicht gerade anregend.

Inhaltsverzeichnis dieses Lerntipps
Richtig mitschreiben!
Grundlegendes - Geschwindigkeit
Die Methoden - Die Praxis
des Mitschreibens - Hierarchie, Mindmap …
Tipp: TQ3L-Verfahren
Die Skripten
Das Problem mit den Mitschriften - Die Angst vor dem klugen Gesicht!
Nachbereitung

der eigenen Notizen - Vorteil der eigenen Mitschrift




Überblick über die Lerntipps
Student sein :: Zeitmanagement :: Arbeitsplatzgestaltung :: Konzentration :: Stressbewältigung :: Wiss. Schreiben :: Schreibblockaden :: Lernmotivation :: Arbeit in Gruppen :: Mitschrift :: Podcasting :: Die 5-Schritte Methode :: Prüfungsvorbereitung


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