Erst am Schluss einer Arbeit entdeckt man,
was an den Anfang gehört hätte.
Blaise Pascal

Mögliche Ursachen von Schreibblockaden

Viele StudentInnen scheitern nicht in erster Linie an stilistischen Fragen, sondern an dem Chaos in ihrem Kopf. Hinter dem Gefühl, sich nicht richtig ausdrücken zu können, steckt oft etwas anderes: Unklarheit, was man eigentlich sagen will. Deshalb sollte zunächst das Thema eingegrenzt werden. Am Anfang jeder Arbeit steht eine konkrete Fragestellung. Um diese zu formulieren, reicht es, sich zunächst einen groben Überblick zu verschaffen. Viele Studenten machen den Fehler, sich viel zu lange einzulesen, bevor sie mit der Arbeit beginnen. Sobald ein Ziel definiert ist, fällt das Schreiben leichter.

Im zweiten Schritt, sollte man eine Gliederung erstellen, die nicht der Reihenfolge nach abgearbeitet werden muß, sondern an den verschiedenen Stellen ergänzt werden kann.

Ein weiterer Fehler besteht auch darin, zu spät mit dem Schreiben anzufangen. Dieser Prozess beginnt eigentlich schon beim Exzerpieren von Zitaten und Argumenten. Bereits dieses schriftliche Auswerten führt zum Erkenntnisgewinn und bildet nicht nur einfach vorhandene Gedanken ab. Texte entstehen in mehreren Arbeitsschritten. Der Wunsch, komplexe Gedanken auf Anhieb inhaltlich logisch und sprachlich brillant zu Papier zu bringen, führe zwangsläufig an die eigenen Grenzen, denn während Wissenschaftler dieses Handwerk in jahrelanger Übung mehr oder minder gut erlernt haben und den Studenten in der Fachliteratur mit scheinbar perfekten Texten konfrontieren, erschaudern manche Studenten von sowviel Weisheit.

Der Mut zum Fehler im ersten Schritt ist aber besser als ewiges Hinauszögern, denn auch Fachliteratur entsteht erst nach mehreren Bearbeitungs- und Verbesserungsrunden. Um den komplexen Prozeß des Schreibens in kleine Schritte zu unterteilen, sollte man einen Zeitplan aufstellen. Das verhindert, dass man sich zu lange mit einer ausufernden Materialschlacht oder der perfekten stilistischen Ausdrucksweise aufhält.

Es lassen sich nach Merkel (o.J.) zwei Varianten von Schreibblockaden unterscheiden, die das Formulieren gegensätzlich angehen:

Schnellschreiber

sind diejenigen, die sich flott ans Schreiben machen und rasch lange Passagen zu Papier bringen. Sie neigen häufig dazu (sofern sie nicht eine brauchbare Stilform entwickelt haben), zu sehr in eine alltägliche Ausdrucksweise zu verfallen und die Komplexität wissenschaftlicher Zusammenhänge zu unterschätzen. Das drückt sich dann im Frust aus, der sie beim späteren Lesen des Geschriebenen überfällt ('Das taugt ja alles nichts'). Zwar ist es günstig, bald einen zusammenhändenden Text vorliegen zu haben, aber es fällt andererseits auch schwer, zu salopp formulierte Sätze nachträglich in eine angemessene wissenschaftliche Sprache zu überführen. Wer zu dieser Arbeitsweise neigt, sollte schon vorab versuchen, seine Argumentationen vor Zuhörern (privatim oder aber als frei gehaltenes Seminarreferat) in wissenschaftsüblicher Begrifflichkeit zu erklären, und dann beim Schreiben darauf achten, daß er diese Tonlage einhält.

Sätzekauer

repräsentieren diejenigen, die sich kaum einen Satz hinzuschreiben getrauen, ohne ihn gleich in Frage zu stellen. Sie feilen an jeder Formulierung herum, dabei fallen ihnen ständig noch Zusammenhänge ein, die sie im gleichen Satz unterbringen wollen. Das Ergebnis ist dann ein endloser Bandwurmsatz, der sich beim nachträglichen Lesen als unbrauchbar herausstellt, gestrichen wird, und das Spiel kann von neuem beginnen. Sätzekauer sollten sich klarmachen, daß jeder Satz Teil eines Textgefüges ist, d.h. daß das Für und Wider eines Argumentes nicht in einen einzigen Satz gepackt werden muß, sondern die Komplexität und Differenziertheit aus dem Nebeneinander sich ergänzender, sich relativierender und sich widersprechender Sätze entsteht. Gedanken, die sich beim Schreiben einstellen, müssen nicht sofort im eben begonnenen Satz untergebracht werden. Man notiert sie am besten nebenher auf einem Zettel und berücksichtigt sie an späterer Stelle. Wer sich generell beim Formulieren schwertut, sollte versuchen, erst einmal einen zusammenhängenden Gedankengang in einem Stück herunterzuschreiben, ohne einzelnen Formulierungen nachzuhängen. Für Sätzekauer ist es wichtiger, einen längeren Textabschnitt fertigzustellen, der ihnen das Gefühl gibt, schon etwas zustandegebracht zu haben, und die Sicherheit vermittelt, daß sich die Arbeit bewältigen läßt. Einschränkende Bemerkungen sollten sie sich für das korrigierende Nacharbeiten aufsparen. Dieses Nacharbeiten sollte besser nicht unmittelbar nach dem Abfassen der Textpassage folgen (die man nur nachlesen muß, falls der Anschluß verloren geht), sondern mit gewissem zeitlichen und deshalb kritischen Abstand. Wer beim Formulieren hängenbleibt, sollte versuchen, seine Gedanken Freunden/Bekannten zu erklären und das Gespräch eventuell aufzunehmen.

Vielleicht sollten Sie aber auch Ihren astrologischen Lerntyp bestimmen ;-) und erst danach weiterarbeiten ...

Inhaltsverzeichnis dieses Lerntipps
Schreibblockade
Was ist das? Was sagt die Psychologie dazu?

Mögliche Ursachen
von Schreibblockaden
Richtiges Zitieren

Tipps zur Lösung
von Schreibblockaden nebst Orten gegen Denkblockaden
Praktische Übungen
Kreativitätstechniken
Fremdsprachiges Schreiben



Überblick über die Lerntipps
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