Warum kann man sich nicht immer konzentrieren?
Den wenigsten StudentInnen gelingt es, z. B. einer Vorlesung voll konzentriert von Anfang bis Ende zuzuhören. Das ist aber in der Regel auch gar nicht unbedingt nötig. Man sollte vielmehr frühzeitig lernen, seine Konzentration je nach Vorlesungsphase den jeweiligen Erfordernissen anzupassen! In den Phasen, in denen der Vortragende vom Thema abschweift, die Tafel putzt oder zeitraubende Tafelanschriften erstellt, kann man durchaus seine Konzentrationsintensität soweit zurücknehmen, daß sie ausreicht, um bei Wichtigem sofort wieder konzentriert bei der Sache zu sein, ohne den roten Faden zu verlieren. Das kann man üben! Aber auch beim Lernen zu Hause schweift die Aufmerksamkeit immer wieder ab, denn es zeigt sich, dass die Leistungsfähigkeit des Gehirns, insbesondere für das Speichern neuer Inhalte, großen Schwankungen unterworfen ist. Auch wenn wir hellwach und konzentriert arbeiten, treten immer wieder Phasen verminderter Merkfähigkeit auf, die wiederum von Perioden erhöhter Leistungsbereitschaft abgelöst werden. Beginn und Ende dieser Zyklen bleiben uns aber leider verborgen. Wir können sie nicht wahrnehmen, da wir kein Sinnesorgan für sie besitzen und daher das Einsetzen des lernbereiten Zustandes nicht erkennen können.
Welche Vorteile bringt für StudentInnen das Üben und Erlernen einer besseren Konzentration?
- Kontrolle über die Gedanken
- Selbstdisziplin und Selbstvertrauen,
- Beruhigung,
- Innere Stärke,
- stärkt den Willen,
- Fähigkeit sich einer Aufgabe zu widmen, bis sie fertig ist
- besseres Gedächtnis
- Fähigkeit schnell gute Entscheidungen zu treffen,
- verbessert die Stimmung,
- Fähigkeit besser und schneller zu lernen und zu verstehen
- eigene Gedanken werden Dich nicht mehr fertig machen
- Befreiung von Sachen die einen ärgern und unnötig sind
- bessere Zielorientiertheit
- steigt innere Ausgewogenheit
- hilft sich psychisch weiter zu entwickeln
- verbessert die Fähigkeit zu visualisieren, bildhaft zu denken,
- ähnelt der Meditation
- gibt das Gefühl der totalen Kontrolle über eigene Person.
Quelle: http://www.allesgelingt.de/blog/ubungen_fur_bessere_konzentration.html (09-12-18)
Was kann man dagegen tun?
Da die äußeren Ursachen von Konzentrationsstörungen in der Regel recht einfach zu beheben sind, hier nur ein paar Anregungen zur Verbesserung der inneren Konzentrationsfähigkeit:
- Salami-Taktik! Eine Scheibe nach der anderen, anstatt die ganze Wurst auf einmal. Man wirst mit Sicherheit in den folgenden Semestern immer wieder vor einem ganzen Berg zu bewältigender Arbeit stehen. Trotz guter Vorsätze kannst auch man nicht mehrere Dinge gleichzeitig erledigen, ohne bald das Handtuch zu werfen. Man wendet sich deshalb bewußt nur einer Aufgabe zu und erst nach deren Erledigung oder an einer passenden Stelle zur Unterbrechung der nächsten.
- Trenne Arbeitsund Erholungsphasen! Sicherlich ist das grundsätzliche Problem nicht fremd, wirklich mit dem Arbeiten zu beginnen. Andernfalls beobachtet man sich in der folgenden Zeit einfach selbst. Man wird feststellen, daß der Schreibtisch immer genau dann geputzt werden muß oder man gerade dann unbedingt Milch einkaufen mußt, wenn die Übungsaufgaben anstehen. Man sollte deshalb die Arbeit in sinnvolle und überschaubare Teilaufgaben aufteilen, und diese in geplanten Zeiteinheiten zu festgelegten Zeiten erledigen. Man sollte sich selbst für die erfolgreiche Erledigung dieser Teilaufgaben auch belohnen!
Siehe dazu auch Wann soll man beim Lernen eine Pause machen? - Beseitige Ablenkungen und Störfaktoren! Eine Studie der Washington University in St. Louis/USA hat übrigens gezeigt, dass durch das Klingeln eines Handys die Aufnahme von Wissen stark beeinträchtigt wird. In einem Experiment wurde ein Forscher in einer Vorlesung unter StudentInnen platziert, der für 30 Sekunden sein Handy laut klingeln ließ. Im Anschluss an die Vorlesung befragte man die StudentInnen über den Inhalt der Lehrveranstaltung. Dabei schnitten 25 Prozent schlechter ab, wenn es um den Stoff ging, der Professor ihnen zum Zeitpunkt des Handyläutens vermittelt wurde. Bei einem bekannten Song als Klingelton war das Konzentrationsvermögen noch schlechter.
- Plane Arbeitszeiten und einen bestimmten Arbeitsplatz fest ein! Manchmal hilft es, wenn man den Arbeitsplatz in die Bibliothek verlegt, wo die allgemeine Arbeitsatmosphäre der Konzentration förderlich sein kann.
- Genieße die Freizeit ohne Reue! Niemand kann ohne Erholungsphasen kontinuierlich und erfolgversprechend Arbeiten; vielmehr sind sinnvolle Pausen, nicht zu lang und nicht zu kurz, wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses. Man sorgt also am besten während der Arbeitsorganisation dafür, daß die Erholungsphasen auch wirklich Zeiten sind, die man unbeschwert von Gedanken an Arbeit und Pflichten genießt. Nochmals: Erholung und Entspannung sind elementare Voraussetzungen für konzentriertes und motiviertes Arbeiten.
- Schätze die Fähigkeiten realistisch ein! Man sollte sich erreichbare Ziele setzen und die eigenen Stärken und Schwächen kennenlernen, sich durch unrealistische Ziele unter Druck setzen! Was nicht geht, geht eben nicht. Nur in den Bereichen sollte man von sich Höchstleistungen verlangen, für die man besonders befähigt und motiviert ist. Ziele, die man gar nicht erreichen kann, führen zu anhaltender Enttäuschung und Studienfrust.
- Die Stoffgebiete immer wieder wechseln, und zwar je nach Schwierigkeit und erforderlicher Aufnahmekapazität. Man löse also zum Beispiel ein Lerngebiet, in dem man hauptsächlich abstrakt denken und rechnen muß, durch ein anderes ab, in dem man sprechen, am Rechner tippen oder zeichnen kann. So gelingt es, die Konzentrationsfähigkeit zu stabilisieren und Ermüdungserscheinungen hinauszuschieben. Allerdings sind Pausen unabdingbar und es auch trotz bester Lernorganisation stößt man an seine Grenzen, denn es gibt letztlich nur ein Gehirn, das für einen arbeitet.
Hat man die elementare Wichtigkeit von Lernphasen, Konzentrationsphasen und den Einfluss von äußeren Ablenkungen verinnerlicht, kann man sich vielleicht nicht besser konzentrieren; vielmehr kann man seinen Alltag präziser bestimmen. Ein weiteres Konzept, dass die Nutzung von Konzentrationsphasen ergänzen kann, ist ein Ernährungsplan. Anders als fälschlicherweise angenommen, sollte dieser nicht mit Traubenzucker-Einheiten versehen sein, sondern eher mit Nahrungsmitteln, die den Blutzuckerspiegel konstant halten. Traubenzucker hat nur kurzfristig eine Konzentrationssteigerung zur Folge, im Anschluss ist man sogar träger als zuvor. Auch zu viel Nahrung ist eher kontraproduktiv, da auch der überfüllte Magen Müdigkeit und Trägheit provoziert. Die geplanten Pausen, können mit der Nahrungsaufnahme einher gehen. Während man sich beispielsweise mit der Hifi Anlage auditiv stimuliert um sich abzulenken, kann man Obst, Gemüse oder Milchprodukte verzehren. Somit ist es möglich sich abzulenken, zu entspannen und gleichzeitig den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Auch Flüssigkeit sollte über den Tag verteilt ausreichend aufgenommen werden; dies nicht nur während der regelmäßigen Pausen.
Apropos Pausen
Schon seit der Antike bedeutete das Innehalten für Dichter und Denker einen Quell der Inspiration. Müßiggang ist eine wichtige Voraussetzung für geistige Leistungsfähigkeit, denn um die schöpferische Kraft des Denkens vollständig ausschöpfen zu können, braucht man Pausen, denn Kreativität lässt sich nicht herbeiführen, sondern man kann lediglich die Bedingungen schaffen, um die Kreativität zu fördern. Ernst Pöppel (Münchner Institut für Medizinische Psychologie) glaubt, dass es in unserer Gesellschaft einen "Kreativitätsstau" gibt, der explodieren könnte, wenn die Büros in allen Institutionen täglich eine Stunde aus dem Kommunikationszwang aussteigen würden". Kreativität findet vor allem in jenen Momenten der geistigen Ruhe statt, also wenn man nicht im Hamsterrad der Geschäftigkeit sitzt und stur seine Arbeit verrichtet. Wichtig sind die bewusst erlebten Pausen, denn Entschleunigung, Faulheit und Müßiggang sind wesentliche Voraussetzungen für Kreativität. Aus der Sicht der Gehirnforschung ist das Nichtstun nämlich keine Phase neuronaler Inaktivität, sondern es sind in diesem Leerlauf-Modus ähnlich wie im Schlaf manche Gehirnzentren besonders aktiv, um sich gerade Erlerntes oder Erlebtes noch einmal "durch den Kopf" gehen zu lassen (vgl. Briseño, 2010). Pausen sind daher notwendige kreative Phasen, die einen Teil der Studienaktivität bilden sollten. Nun mögen manche einwenden, dass geistige Arbeit nicht nur im stillen Kämmerlein stattfindet, sondern in Seminaren, Vorlesungen, Arbeitsgruppen, Teamarbeit. Wie kann dabei jede/r den eigenen Pausenrhythmus einhalten? Die individuellen Rhythmen der Aufmerksamkeit sind jedoch flexibel genug, um sich auch in Gruppensituationen aufeinander einzuspielen. Wo jedoch Termine, Anforderungen und überhöhte Ansprüche an den eigenen Arbeitsplan keine Zeiten dazwischen zulassen, in denen man immer wieder abschalten, tief Luft holen, Tagträume entwickeln oder sich bewegen können, werden diese vielen kreativen Möglichkeiten vergeudet. Der Lernerfolg hängt untrennbar mit der Zeiteinteilung zusammen, und somit auch mit der richtigen Pausengestaltung. So wie man die Pausen als festen Bestandteil seiner Arbeitsphasen wertschätzt, kann man auch auf die körpereigenen Rhythmen achten und die Konzentration, Kreativität und Gesundheit fördern.
Schauen Sie beim Lernen nicht auf Ihre Freundin!
Britische Forscher haben in einer Studie nachgewiesen, dass die emotionalen Informationen in Gesichtern von anderen die Aufmerksamkeit stören. Bei diesen Untersuchungen lösten die Versuchspersonen mathematische Aufgaben dann besser, wenn sie den Blick vom Fragenden abwendeten. Den Forschern zufolge erhöhte sich so die Fähigkeit der Probanden erheblich, die Aufgaben richtig zu lösen, wenn sie dabei das Gegenüber nicht betrachteten. Die Kombination von geistiger Arbeit und emotionalen Eindrücken versetzte einige Probanden offensichtlich so in Stress, dass sie sogar in Schweiß ausbrachen, wobei Männer dann am stärksten schwitzten, wenn sie in ein weibliches Gesicht blicken sollten. Daher sollten LehrerInnen oder Prüfer ihre Schüler eher dazu auffordern, ihren Blick ins Leere schweifen zu lassen, wenn sie nachdenken sollen, als sie dabei anzusehen.
"Multitasking" mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen?
John Ratey (Harvard University New York) hat das Phänomen "Multitasking" in Studien untersucht: Das menschliche Gehirn mag einerseits das Hinund Herspringen zwischen Informationen, Aufgaben, Themen, andererseits kann es diese Flut an Eindrücken entgegen den Behauptungen von Zeitmanagementtrainern und angeblich erfolgreichen Multitaskern nicht. Menschen sind nämlich eher Monotasker, denn mehr als 100 Prozent Aufmerksamkeit stehen niemandem zur Verfügung. Entweder hören wir einem Gesprächspartner am Telefon nicht richtig zu oder es schleichen sich Fehler bei der gleichzeitig geschriebenen Email ein. Menschen, die sich fortwährend durch immer neue Informationen stimulieren lassen wollen, sind fahrig, nervös, zappelig und immer unkonzentriert. Sie verkürzen ihre Aufmerksamkeitsspanne und haben sehr schnell Verlangen nach neuem Input. Zeiten der Ruhe und Stille können sie kaum noch ertragen. Nur vollautomatisierte Vorgänge wie das Autofahren oder der Konsum von Medien benötigen nicht unsere ganze Konzentration und können aus diesem Grund "nebenher" laufen.
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