Eine siebstufige Lern- und Erarbeitungstechnik habe ich als Empfehlung für Fernstudien (Studienbriefe) gefunden (siehe Quellen), die ich hier zusammengefasst und leicht gekürzt wiedergeben möchte, da sie sich auch auf "normale" Skripten anwenden lässt:

P wie Preview

Dieser erste Schritt ist der, den man schon fast natürlich macht, wenn man einen größeren Text vorgesetzt bekommt. Man überfliegt den Text. Diese Angewohnheit hat der moderne Mensch vor allem, um sich vor dem totalen Informationsoverkill zu schützen. Leider ist dies nicht ganz so einfach wie man sich das wünschen würde - für den Alltag mag das durchaus funktionieren für einen Lehrtext allerdings sollte man sich vorher kurz etwas Zeit nehmen und sich Gedanken machen ... denn unser Gehirn kann leider keine zwei Dinge gleichzeitig tun , somit sollte man sich auf einen Text einstimmen, bevor man ihn zur Hand nimmt: Man nehme seinen Studienbrief, liest den Titel und erkennt schon Fach und Ausrichtung. Hilfreich ist es auch, das Inhaltsverzeichnis zu überfliegen, hat man bereits von bestimmten Dingen gehört, weckt man Erinnerungen, welche sich schon mit dem zu lesenden verknüpfen können. Ist man somit "in der Stimmung" für den Text liest man einen überschaubaren Teil möglichst entspannt und ohne großen Druck. Dinge die einen interessieren betrachtet man länger und unverständliches nimmt man hin. Dazu gehören neben dem reinen Text natürlich auch Schaubilder und Grafiken. Bereits ab diesem Zeitpunkt hat man etwas gelernt, denn bereits nach einem "Review" sind erste Fetzen im Gehirn hängen geblieben. Rein von der Aufnahme der Informationen her gesehen sogar alles, nur verarbeiten kann man es nicht so einfach, was zum zweiten Schritt führt.

Q wie Question

Hier kann es schon sein, das einem die Autoren der Texte geholfen haben, denn gibt es z.B. Kontrollfragen ist es genau jetzt ein guter Zeitpunkt diese durchzulesen. Sind diese zu abstrakt ... sprich ist man noch nicht so weit, oder gibt es evtl. gar keine dann hilft einem die Gliederung im Text - denn dann formuliert man sich am besten selbst Fragen anhand der Überschriften und der Unterpunkte. Diese Fragen notiert man sich am besten auf, egal ob viele oder wenige Fragen, oder ob der Text lang oder kurz ist ... dadurch, das man die Fragen zu Papier gebracht hat, kann man sich später leichter daran orientieren. Wenn man sich schwer tut mit der Formulierung kann man sich an der berühmten Notruf-Formel orientieren, Wer, Wann, Wie, Wo, Wieviel ... oder auch einfach nur Warum? Bei so vielen Fragen bleibt uns der Text natürlich noch eine Antwort schuldig, diese können wir uns aber selbst besorgen und zwar durch

R wie Read

Lesen! Mit einem Bündel Fragen an der Hand ist die Motivation den Text mehr zu erkunden eine andere. An diesem Punkt beginnt auch die intensive Arbeit mit dem Text - ein paar Beispiele.

Man lese den Text und beantworte seine Fragen. Dabei ergeben sich deutlich mehr Zusammenhänge aus dem Gesamttext als beim ersten überfliegen. Dadurch erkennt man auch erste Zusammenhänge und bemerkt Dinge, welche wichtig erscheinen (und wenn sie einem so erscheinen sollte man sich auch durchaus auf sein Gefühl verlassen). Gleichzeitig stößt man auch auf Details, die einem unklar sind - das ist verständlich, beim Überliegen hält man sich mit derartigen Dingen nicht auf sondern blendet sich aus. Setzt man sich intensiver mit dem Text auseinander bemerkt man Unstimmigkeiten und kann diese beispielsweise nachschlagen. Wichtig in diesem Schritt ist, sich die Neuigkeiten, das Interessante und das vermeintlich wichtig richtig zu kennzeichnen, damit man später einfach darauf zurückgreifen kann. Warum? Das erkennt man am nächsten Schritt

R wie Record

Aufzeichnen hilft einem nicht zu vergessen. Auch hier gibt es verschiedenste Möglichkeiten die wichtigen Dinge so zu erfassen, das sie für die eigene Arbeitsweise kompatibel aufbereitet vorliegt. Alle Dinge, die einem im vorherigen Schritt wichtig erschienen, die neu waren, eigene Erkenntnisse daraus, Schlußfolgerungen, selbst erlebte Beispiele, Wichtiges ... all das sollte man erfassen. Der erste Schritt ist getan, in dem man sich selbst die Fragen beantwortet die man im zweiten Schritt gestellt hat. Darüber hinaus muss man in der für einen selbst geeigneten Form einen Ort finden an dem man die Informationen für später aufhebt, dies kann eine Zusammenfassung sein, eine Loseblatt-Sammlung, ein Büchlein, Lernkarten, MindMaps usw. Viele Fernstudenten erledigen diesen Schritt unbewusst durch die Zusammenfassung, tippt man nicht 1:1 den Text ab ist dieser Schritt exakt das was man dabei tut, man betrachtet signifikante Informationen, verarbeitet Zusammenhänge und bereitet den Stoff bereits in eigenen Gedanken auf. Ergeben sich durch die neuen Informationen neue Fragen so sollte man die natürlich wieder notieren ... so lange einem der Text und der darin vermittelte Zusammenhang nicht klar ist, sollte man möglichst alle Unklarheiten notieren um sie nachvollziehen zu können. Geht man einen langen Text in handlichen Abschnitten durch so hat man bis zu diesem Zeitpunkt bereits viele relevante Information aus dem Text gezogen ... darum folgt nun der nächste Schritt

R wie Recite

Recite bedeutet auch auswendig aufsagen - das wäre aber zu viel verlangt und hilft uns nicht weiter. Bis hierher wurde immer mit dem Text gearbeitet. Nun ist aber der Zeitpunkt gekommen an dem man rekapitulieren sollte. Sprich, man legt den Text beiseite und versucht beispielsweise am Inhaltsverzeichnis (oder am Glossar) zu jedem Punkt einen Zusammenhang herzustellen und diesen soweit einem möglich ist auszuformulieren.
Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen ... gibt es neue Fragen, diese notieren um sie nicht zu vergessen und sie nachzuschlagen. An diesem Punkt steckt man bereits ziemlich tief im Text, man hat ihn überflogen, man hat sich Gedanken gemacht und Unklarheiten notiert. Danach hat man ihn vielleicht einmal oder öfters intensiv und mit Zeit und Muße gelesen um die Fragen zu beantworten und sich selbst auf irgend einer Weise die Inhalte des Textes darzustellen. Als letzten Schritt waren wir sogar schon so weit, das wir frei zu jedem Thema etwas rezitieren konnten. Wie man daran erkennen kann ist dieser Prozess nicht in wenigen Stunden oder Tagen zu durchlaufen sondern in einem Zeitraum der durchaus über Wochen (oder Monate) gehen kann. Schließlich ist nicht jedes Thema durch einen einzigen Studienbrief geschlossen und man bearbeitet mehr als ein Thema. Ordnet man die bisherigen Schritte chronologisch befinden wir uns nun mit dem vorletzten Schritt schon im Bereich der Prüfungsvorbereitung, wobei es nicht schadet den Schritt mehrmals zu durchlaufen und somit mehr mit den Inhalten zu arbeiten. Es folgt ...

R wie Review

Mit dem Pre-View beginnt der Zyklus, mit dem vorab durchlesen. Das Review hingegen ist ein Schritt das bereits gelernte und verstandene zu ordnen und eventuell semantische Fehler zu überprüfen und auszubessern. Nachdem man zuletzt eher mit den Text bzw. dessen Inhalt im Geiste gearbeitet hat erfolgt in diesem Schritt wieder der Griff zum Original. Hierbei bemerkt man bereits ob man gut mit dem Text gearbeitet hat - mit mehr Verständnis liest sich ein Text deutlich leichter und es ergeben sich durchaus auch noch Erkenntnisgewinne. Ergeben sich dadurch neue Zusammenhänge sollte man diese durchaus nochmals farblich neu markieren, eventuell muss man auch nochmals seine Notizen anpassen oder seine Lernkarten/MindMaps usw. erweitern. Am Ende dieses Schrittes sollte man auf jeden Fall in der Lage sein, die bisher gestellten und auch neu dazugekommenen Fragen beantworten zu können. Der letzte Schritt ist vielleicht der wichtigste aber auch der abstrakteste von allen.

R wie Reflect

An diesem Punkt kann man seine Gedanken (zu dem Thema) mal richtig treiben lassen. Das ist ein Prozess der meist ganz automatisch läuft ... z.B. beschäftigt sich das Gehirn über Nacht ganz allein mit Dingen, die man neu gelernt hat. Hilfreicher für einen kann es aber sein, den Prozess selbst anzustoßen und sich im Geiste den Inhalt und die entdeckten Essenzen nochmals vor Augen zu führen. Zu diesem Zeitpunkt hat man bereits das Wichtige vom Unwichtigen getrennt und kann/sollte sich Gedanken darüber machen warum dies so ist. Wichtige Fragen die man beantworten können sollte sind:

Gerade wenn man letztere Frage mit JA beantwortet, steht einem der Zyklus natürlich im Neuen bevor. Als Fernstudent hat man aber das Glück das man meist mit gut aufbereiteten Texten arbeitet und so nicht unbedingt auf Sekundärliteratur angewiesen ist. Wenn man sich das sparen kann, hat man es im besten Fall zu diesem Zeitpunkt geschafft und man hat den Text verstanden ... das ist natürlich nur die halbe Miete, denn was man mit den Erkenntnissen anstellt und wie man diese für seine Prüfungen aufbereitet ist wieder ein anderes Thema ... aber diese Arbeitet findet dann nicht mehr direkt mit dem Text sondern mit dem Hirn statt.


Eines bleibt FernstudentInnen nicht erspart - möglichst selbstständig wichtige Informationen aus Texten zu kondensieren. Sie müssen das Auge für das relevante entwickeln und es so aufbereiten, damit man aus einer Fülle von Informationen zum richtigen Zeitpunkt das Richtige auswählen. Es liegt am Einzelnen, den Grad des detaillierten Lesens selbst zu bestimmen um herauszufinden, mit wie viel Aufwand man einen Text ausreichend gut erfasst hat.

Inhaltsverzeichnis dieses Lerntipps

Die Fünf-Schritte-Methode
Die Herkunft der Methode
PQ5R - Technik bei Fernstudien
Das PARROT System

Überblick gewinnen
Fragen an den Text stellen
Die ersten beiden Stufen

Schlüsselinformationen finden

Lesen
Rekapitulieren
Rückblick
Die letzten drei Stufen
Das Original
The SQ3R Method
The PQRST Method of Studying




Überblick über die Lerntipps
Student sein :: Zeitmanagement :: Arbeitsplatzgestaltung :: Konzentration :: Stressbewältigung :: Wiss. Schreiben :: Schreibblockaden :: Lernmotivation :: Arbeit in Gruppen :: Mitschrift :: Podcasting :: Die 5-Schritte Methode :: Prüfungsvorbereitung


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